Lager II eingerichtet - Schneefall zwingt zur Pause!
Nachdem unser Vorankommen am Berg zunächst fast zu schnell vonstatten ging und nach kaum einer
Woche schon die Kinshoferwand auf 5800 m erreicht war, haben wir jetzt zunächst von der Natur
eine kleine Bremse verpasst bekommen.
Am 03/06 stiegen wir wieder voll motiviert zu Lager I auf, um in den kommenden Tagen Lager II
einzurichten und auch schon mit dem weiteren Versichern der Route bis Lager III zu beginnen.
Leider ging es Horst am Nachmittag nach der Ankunft im Lager I gesundheitlich nicht gut, so dass
Klaus-Dieter im Aufstieg zu LII - 3 Uhr
er nach Rücksprache mit Werner, unserem Expeditionsarzt, sofort den Rückmarsch ins Basislager antrat
und die Expedition abbrach. Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist er schon wieder zu Hause im Stubaital.
Nicola im AMICAL alpin Büro konnte seinen Flug innerhalb kürzester Zeit umbuchen. Alle anderen
schlafen in Lager I auf 4900 m inzwischen fast so gut wie im Basislager, und so lagen wir auch in
Erwartung des kommenden Tages schon um 18:00 Uhr wieder in den Schlafsäcken. Ein erstes, kurzes
Gewitter am späten Abend war schnell vorbei und so konnten wir um 1:00 Uhr wieder mit dem Kochen
beginnen. Bereits um 2:00 Uhr waren die ersten auf den Beinen und der Beginn der Fixseile schnell
erreicht.
Unsere Planung war so ausgelegt, dass die Hälfte der Mannschaft gleich in Lager II bleiben sollte,
die andere Hälfte an diesem Tag aber erst mal noch einen Materialtransport mit anschliesssendem
Abseilen einlegte, um erst am nächsten Tag nach einem weiteren Aufstieg durch die Löweisrinne in
Lager II zu übernachten. Die Rucksäcke waren reichlich voll, vor allem bei denen, die direkt in
Lager II bleiben wollten. Mit Hirotaka versicherte ich nach fünf Stunden Aufstieg bis zum Ende der
Traverse die letzten 100 Höhenmeter der Kinshoferwand durch anspruchsvolles Felsgelände. Alte Seile
und einige alte Drahtleitern empfand ich dabei als eher gefährlich und hinderlich statt hilfreich.
Hochträger Qudrat Anfang Kinshofer Wand
Ralf Anfang Kinshofer Wand
Tiefblick aus Kinshofer Wand
Wir werden in den nächsten Tagen noch einige alte, zurückgelassene Seile früherer Expeditionen
herausschneiden. Vor allem die UV-Strahlung macht die alten Seile morsch und spröde und die
scheinbare Hilfe entpuppt sich in aller Regel eher als Gefahr. Die Kletterei, wenn ohne Seil- oder
Leiterhilfe gemeistert, dürfte im unteren V. Schwierigkeitsgrat liegen. Mit den schweren
Rucksäcken - auch trotz Fixseilhilfe - für die Nachkomenden immer noch ein ganz schönes Stück
Arbeit. Wieder meldet sich großer Respekt vor den Erstbegehern von 1961, die ohne genaue
Routenkenntnisse hier aufstiegen. Auch am Ende der Kinshoferwand bleibt es zunächst noch steil,
bis nach weiteren 50 Höhenmetern ein ausgesetzter, aber zunächst ebener Grat erreicht ist Der
Platz von Lager II, 6000 m. 100%ig sicher. In Anbetracht der heranrollenden Gewitterwolken begannen
Hirotaka und ich gleich mit dem Einebnen der ersten Zeltplattform.
Hirotaka in Lager II
Emrodin Ankunft Lager II
Klaus-Dieter Ankunft LII
Der Tiefblick vor allem in Richtung Basislager, schon fast 2000 Höhenmeter tiefer ist atemberaubend
und das Nachkommen der Anderen sieht absolut spektakulär aus. Bis 9:00 Uhr waren alle oben und
natürlich gab es großes Hallo in Anbetracht des wunderschönen Lagerplatzes und des Einblicks in
die gewaltige Diamir-Flanke.
Lager II
Magnus im Nebel beim Abseilen
Qudrat im Nebel beim Abseilen
Für meine Gruppe, die erst am nächsten Tag in Lager II übernachten wollte, war es Zeit für den
Abstieg. Die ersten Graupel schossen durch die Luft und in kürzester Zeit war es völlig neblig,
so dass für die 1100 m Abseilfahrt jeder froh war, die Fixseile nutzen zu können. Leider blieb
es den ganze Nachmittag stark bewölkt und für die Zurückgebliebenen in Lager II war es reichlich
anstrengend in kürzester Zeit drei Plattformen für die Hochlagerzelte herauszupickeln. Auch in
der Nacht schneite es reichlich und als ich mit meinem Team wieder um 1:00 Uhr von Lager I starten
wollte, hatte bereits so starker Schneefall eingesetzt, dass an einen Aufstieg nicht mehr zu denken
war. Auch Hajo entschied mit seiner Mannschaft den Rückzug und so war ich froh, bis um 8:30 Uhr
alle nach langer Abseilfahrt wieder in Lager I zurück waren. Zwar nass, aber froh schon die erste
Akklimatisationsnacht auf 6000 m hinter sich zu haben.
Schlechtwettereinbruch in LI
Hajo zurück von LII
Ralf im Abstieg von LI
Gestern spät vormittags waren bereits alle im Basislager zurück, wo wir nun warten wollen,
bis sich das Wetter stabilisiert hat. Bis die großen Schneerutsche aus der Löweisrinne heraus
sind und an ein Weiterarbeiten an der Route gedacht werden kann. Gestern Nachmittag gab es nun
auch endlich ein wenig freie Zeit und so konnte ich die restlichen Portraits der Teilnehmer
aufnehmen. Das ganze Expeditions-Team finden Sie nun hier vorgestellt.
Trotz dieses ersten, fast erwarteten wetterbedingten Einbremsens sind wir alle guter Dinge.
Nach kaum zwei Wochen von zu Hause weg schon auf 6000 m übernachtet zu haben ist sowieso fast zu
schnell. Zeit haben wir genug und fit und gesund sind wir auch alle. Leid tut uns allen Horsts
frühzeitige Rückkehr und wir wünschen ihm von hier aus gute Besserung.
Sobald es wieder nennenswerte Fortschritte gibt, werde ich mich wieder melden und darf mich
an dieser Stelle für Ihr Interesse bedanken.