Basislager am Fuße der Diamir Flanke des Nanga Parbat erreicht.
Bei schönstem Wetter konnte wir gestern Mittag das Basislager erreichen. Einige Tage
Anreise mussten erst zurück gelegt werden bevor es soweit war.
23/05
Planmäßig am 23/05 in aller Frühe um 5:00 Uhr konnte es von Islamabad aus auf
den Karakorum Highway gehen. Ein Riesenbus beförderte die insgesamt fast 3.000 kg Gepäck,
wir - die Mannschaft - waren in einem kleinen Bus unterwegs. Nach 2 Stunden Fahrzeit gab die
Klimaanlage den Geist auf - fortan war die Fahrt bei über 40° C Außentemperatur die reine
Sauna. Nach weiteren 2 Stunden gab es die erste Verschüttung der Straße.
Der von 1966 - 1978 von Chinesen gebaute Karakorum Highway führt durch teilweise senkrechte
Felswände in manchmal schwindelnder Höhe in den Norden Pakistans. Nach jedem Regen sind Teile der
Straße verschüttet - vor allem während den regenintensiven Sommermonaten. An diesem Tag war es eine
Gerölllawine, nach dem letzten Gewitter, die beseitigt werden musste. Da es aber der einzige
"Roadblock" an diesem Tag blieb, war er eher eine willkommene Abwechslung.
Im Bus
Verschüttung - 'Road Block'
Indus und Karakorum Highway
Voll besetzt
Nach 14 Stunden Fahrzeit kamen wir nach wilder Kurverei in Chilas, einem kleinen Nest auf
1250 m am Karakorum Highway an. Bei immer noch über 35° C wurde es eine heiße Nacht.
24/05
Am nächsten Vormittag ging es ans Lastenverteilen für die Träger. An der Bunarbrücke am Karakorum
Highway waren über 200 Träger aus der Nanga Parbat Region zusammengekommen. Alle suchten eine Arbeit.
Da wir aber "nur" 115 Lasten zu verteilen hatten, gab es zum Teil wilde Raufereien, bis
alles verteilt war. Mit Jeeps und Traktoren ging's zur 1800 m hoch gelegen Hallal Brücke. Unser
erstes Zeltlager stand ruckzuck, ein grausig staubiger Wind machte das Ganze aber nicht zum großen
Vergnügen.
Pause in Bunar
Start der Fahrt hinauf zur Hallal Brücke
Träger und Kinder beim Lager Hallal-Brücke
25/05
Die erste Anmarschetappe begann furchtbar heiß. Obwohl wir kurz nach 6:00 Uhr gestartet waren, hatte
uns im engen Diamir Tal bald die Sonne eingeholt. Schon eine halbe Stunde nach Abmarsch stürzte ein
Esel mit samt dem Basislagerzelt in den Diamir-Fluss. Das Zelt konnte 200 Meter tiefer geborgen
werden, der Esel war leider tot - und sein Besitzer ein armer Bauer aus dem oberen Bunar Tal
furchtbar traurig. Wir haben ihm zum Schluss den Gegenwert seines Esels komplett bezahlt und er war
zufrieden. 1100 Höhenmeter ging es an diesem ersten Tag nach oben, was bei der Hitze ziemlich
anstrengend war.
In der Nähe des Dorfes Ser stand unser nächstes Zwischenlager auf 2900 m. Bis alle
Lasten eintrafen war es Mitternacht - die Träger hatten sich zum Teil in den umliegenden Dörfern bei
ihren Familien "verhockt".
Wilde Wege zwischen Hallal und Ser - Blick auf die Diamirflanke
Lagerplatz in Ser - Gut gewappnet in den ersten Tag
26/05
Endlich wurde es wieder grün, herrliche Wälder und Wiesen wechselten beim Höherkommen ab. Die ganz
große Hitze der ersten Tage hatte ein Ende. Von den Trägern wurden wir auf Ihren Sommeralmen zu
frischem Joghurt eingeladen - herrlich erfrischend. Aber nicht allen Mägen zuträglich. Das Grün der
Wälder, vor allem die vielen blühenden Wiesen waren ein richtiger Traum nach der Hitze. So herrlich
schön. Am nächsten Lagerplatz bekamen die Träger traditionellerweise vier Ziegen als Trinkgeld, die
sofort geschlachtet und verteilt wurden. Ein großes Fest mit Tanz und Gaudi bis tief in die Nacht
beschloss diesen wunderschönen Anmarschtag.
In Kachal beim Joghurt trinken - Lilien und Primeln am Wegrand auf 3800 m
Ausblick auf Diamirflanke und Mazeno Grat
Sher Rachman aus dem Diamir Tal und einer unserer Träger
27/05
Nicht ganz so früh wie sonst ging es los. Das Fest hatte doch ein wenig an den Kräften gezehrt.
Die letzte Etappe führte über herrliche Sommeralmen und Wiesen hinauf in eine windgeschützte Mulde
seitlich der Gletschermoräne des Diamirgletschers. Der schönste Basislagerplatz, den ich in all den
Jahren des Unterwegs-Seins bisher erlebt habe. Alles ist mit kleinen Blumen übersät. Die Zelte
stehen auf der Wiese, knapp oberhalb gibt es eine kleine Quelle mit frischem Wasser. Eine kleine
italienische Expeditionsgruppe mit drei Teilnehmer ist schon zwei Tage hier. Sie wollen eine neue
Route im südlichen Teil der Diamirflanke versuchen. Bei uns wird es nach einem Ruhetag nun am
29/05 zum erste Mal Richtung Lager I gehen. Das Basislager - mit 4250 m sehr tief gelegen - muss
noch ganz ausgebaut werden. Bis alles für sechs Wochen eingerichtet ist wird es noch ein wenig
Arbeit brauchen.
Aufbruch zur letzten Etappe - Noch 1 Stunde - Kurz vor dem BC
Ankunft im BC
Hotel Diamir
Soweit sind wir alle gesund und bei dem herrlichen Wetter hoch motiviert. Die Größe und Höhe der
Diamirflanke wirkt zunächst erschreckend, fast abweisend. Die Verhältnisse scheinen nach einem
trockenen Winter aber sehr gut zu sein. Schau' mer mal.
Für heute erst mal beste Grüße aus dem Basislager.
Ralf Dujmovits